3 fiese Fragen zur digitalen Transformation von Unternehmen

Transformers

Zugegeben, so fies sind die Fragen nun auch wieder nicht. Oder vielleicht doch? Jedenfalls sind es für die meisten wahrscheinlich eher unbequeme Fragen. Vor allem für jene, die glauben, das Thema der digitalen Transformation nun wirklich verstanden zu haben.

1. Ist die «Digitale Transformation» in Ihrem Unternehmen schon ein Projekt?

Vielleicht sagen Sie jetzt nicht ohne Stolz: «Jawohl, das ist es, wir sind ja nicht von gestern!». Vielleicht haben Sie dafür sogar ein spezielles Job-Profil kreiert, einen Digital Transformation Officer (DTO) etwa, der dann an den Chief Digital Officer (CDO) rapportiert. Oder es gibt eine Projektgruppe mit Vertretern aus allen Abteilungen, die sich mit dem Thema (selbst) beschäftigen. Schön. Oder auch nicht. Denn Sie haben noch nicht erkannt, dass das, was heute um Sie herum passiert, nicht mit einem Projekt zu vergleichen ist und schon gar nicht damit erledigt werden kann. Auch wenn Sie es sich als C-Level-Manager gewohnt sind, selbst schwierigste Aufgaben mit einer Task Force und dergleichen zu meistern, dieses Mal wird das nicht funktionieren. Denn die digitale Transformation hatte kein genaues Startdatum, und sie hat schon gar kein definiertes Enddatum. Aber vor allem: Sie hat keine genaue Agenda. Das wären jedoch drei zwingende Eckpfeiler für ein «Projekt». Viel eher passt die digitale Transformation zum Begriff einer Geisteshaltung: Wie wollen Kunden morgen mit uns interagieren? Welche Prozesse sind dank Digitalisierung viel einfacher und kostengünstiger zu bewerkstelligen? Welche Paradigmen zur Herbeiführung von Unternehmenserfolg sind zu überdenken? Wo liegt – dank der digitalen Transformation – neues Business für uns auf der Strasse, das wir eigentlich bloss aufzuheben bräuchten? Es gilt, im Unternehmen genau diese Geisteshaltung zu etablieren, und zwar auf allen Unternehmensstufen in allen Abteilungen. Für einmal stimmt der berühmte Satz «Der Weg ist das Ziel» wieder einmal 200-prozentig! Wer heute noch den Gebrauch des eigenen Mobiltelefons während der Arbeit verbietet, anstatt darin ein geniales Gerät zu sehen, mit dem Unternehmensprozesse vereinfacht werden könnten, lebt in einer Welt von gestern. Wer glaubt, dass die Cloud für Unternehmen etwas für Waghalsige oder «Early Adopters» sei, ist gerade dabei, den Zug zu verpassen. Denn so viel ist sicher: Die digitale Transformation ist für einmal kein von der IT-Branche «gehyptes» Thema, sondern eine Realität, die in grossen Schritten vorwärts marschiert. Sie dürfen sich aussuchen, ob Ihr Unternehmen dereinst (in 5-10 Jahren!) zu den Gewinnern oder Verlierern zählen möchte.

2. Messen Sie die IT-Kosten pro Kopf?

«Natürlich, wie denn sonst?» begegnen Sie meiner Frage nun vielleicht. Klar, so hat man es bisher gemacht, wie denn sonst. Nun, es gäbe auch eine ganz andere Betrachtungsweise: Wie viel Gewinn erwirtschaften Sie mit jedem ausgegebenen IT-Franken? Erkennen Sie die zwei grundlegend unterschiedlichen Betrachtungsweisen? Old-Fashion ist, die IT-Kosten pro Kopf so tief wie möglich zu halten, denn die sind ja ohnehin nur ein notwendiges Übel. Den Mitarbeitern wird gerade mal so viel «IT» gegeben, wie unbedingt nötig ist, ja kein Quäntchen Komfort oder Funktionalität zu viel. «Wir müssen aus Kostengründen das Notwendige vom Wünschbaren unterscheiden», höre ich immer wieder mal von Kunden. Interessanterweise kommt eine solche Aussage typischerweise von Firmen, denen es gerade nicht so gut geht, die am kämpfen sind – die dabei sind, den Anschluss zu verpassen? Die neue «Denke» ist wie bereits oben erwähnt: Wie viel Gewinn wird pro eingesetzter IT-Franken erzielt? Nur schon die Fragestellung lässt erkennen, dass IT als «Business Enabler» statt als reiner Kostenfaktor verstanden wird. Gartner hat neulich herausgefunden, dass überdurchschnittlich erfolgreiche Unternehmen die IT-Kosten so messen. Darin liegt die unternehmerische Zukunft: Durch diese Fragestellung ergeben sich im Zusammenhang mit der digitalen Transformation automatisch die richtigen Folgefragen: Welche neuen, digitalen Businessmodelle sind für das Unternehmen spannend oder liegen gar auf der Hand? Können digitalen Daten, die ohnehin vorhanden sind, mit neuen, heute verfügbaren Technologien so in Informationen transformiert werden, dass sie an Dritte verkauft werden könnten (was bisher gar nicht möglich war)? Wie kann die unternehmerische Agilität dank digitaler Transformation entscheidend erhöht werden? Oder konkreter: Wie kann die Unternehmens-IT agiler gemacht werden? Und zwar so, dass sie den sich immer rascher ändernden Anforderungen aus dem Business mühelos entsprechen kann? Denken Sie darüber nach, welchen Stellenwert die Softwarelösungen für Ihr Business tatsächlich haben. Und dann überlegen Sie sich, ob Sie Ihre IT-Kosten weiterhin pro Kopf auf Ihrer Score Card ausweisen wollen.

3. Wissen Sie, wie viel Zeit Ihrem Unternehmen noch bleibt?

Schon aus der ersten Frage oben geht hervor, dass diese dritte Frage tatsächlich weder mit Ja noch mit Nein beantwortet werden kann. Wenn man nicht weiss, wie lange diese Phase der digitalen Transformation in der Wirtschaft andauern wird, ist es auch kaum möglich, zu sagen, wie man zeitlich denn so drin liegt. Vielleicht endet die digitale Transformation nie mehr, weil der technologische Fortschritt nie aufhören und immer schneller wird. Genau das ist das Fiese an der Geschichte: Mit Zuwarten kann man nur verlieren. Denn irgendwann ist der Rückstand auf die Mitbewerber und der interne Investitionsstau so gross, dass er finanziell kaum mehr in unternehmerisch «normaler» Art und Weise zu bewältigen ist. Die Forderungen sowohl von Kunden- als auch von Lieferantenseite nach digitalen Veränderungen werden immer lauter und immer grösser. Die Mitarbeiter haben dann irgendwann auch keinen Bock mehr, in einer verstaubten Firma weiter zu arbeiten. Die wenigen, wirklichen Talente haben das Unternehmen ohnehin längst verlassen, denn sie wollen mit einem modernen, digitalen Arbeitsplatz werkeln, verfolgen neue Arbeitsformen wie Street- oder Home-Office (wofür sie dazu geeignete Arbeitsmittel benötigen), und sie sind es sich gewohnt, standort- und geräteunabhängig zum Erfolg des Unternehmens beizutragen. Wenn ein Unternehmen «kreative Ideen» sucht, um die digitale Transformation «zu meistern», muss es ein Arbeitsumfeld bereitstellen, das die Kreativität fördert und nicht abschnürt. Wie das jedes Unternehmen für sich macht, sei dahingestellt und der Chefetage überlassen. Altmodische, schwerfällige IT-Systeme, Mobiltelefon- oder Social-Media-Verbote oder stickige, enge Büros sind jedenfalls nicht das, was man ein inspirierendes Arbeitsumfeld nennt. Da nützt das «tolle Team mit netten Kollegen» (gemäss Stelleninserat) dann auch nicht weiter. Wie viel Zeit Ihrem Unternehmen noch bleibt? Ich weiss es auch nicht. Aber ich weiss, dass Sie heute mit Ihrer digitalen Transformation beginnen müssen. Wo genau? Das könnte mit mir erörtert werden.

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