Business versus IT: Wer hat wirklich das Sagen im Unternehmen?

Huhn oder Ei Grafik

Die Titelfrage ist aus ökonomischer Sicht einfach zu beantworten: Das Business. Denn wem die Firma gehört, der hat das Sagen. Die Antwort fällt heutzutage dann aber doch nicht ganz so einfach aus. Oder wie es ein möglicher Beziehungsstatus ausdrücken würde: Es ist kompliziert.

Vor dem Internetzeitalter und der daraus hervorgegangenen digitalen Transformation war die IT ein reines Arbeitswerkzeug (man sprach früher noch von EDV, elektronischer Datenverarbeitung): Man steigerte die Prozessgeschwindigkeit im Unternehmen und erhöhte die Präzision der Arbeit bei gleichzeitiger Fehlerreduzierung. Das erhöhte den Umsatz und den Gewinn. Ob beim Ersatz der Schreibmaschine durch den PC anfangs der 1990er-Jahre, ob beim Durchbruch der E-Mail zulasten des Telefax um die Jahrtausendwende oder z.B. bei CNC-Fräsmaschinen, die x-tausendmal genauere Teile schneller produzieren als es menschliche Handarbeit je könnte - immer ging es um die ökonomische Steigerung von Effektivität und Effizienz. Die Businessmodelle selbst wurden aus technologischer Sicht nicht hinterfragt - noch nicht.

Wegen der fortlaufenden Steigerung der Komplexität der IT (Vernetzung, Internet, Cyberkriminalität, Mobile Devices, Heimarbeitsplätze, Kundenportale usw.) entstanden aus EDV-Teams ganze IT-Abteilungen, denen in grösseren Unternehmen ein CIO vorsteht. Sie verstanden sich noch in den 1990er-Jahren als Helfer und Unterstützer des Business, da dieses ja wirklich nichts von IT verstand. (Diese EDV-Kräcks von damals nennt man heute liebevoll "Nerds".) Wegen der fortschreitenden Entwicklung der IT und ihrer Komplexität wurde das Business in den 2000er-Jahren zusehends abhängig von der IT-Abteilung: Sie gab vor, was für das Unternehmen gut ist, stellte die Budgetanträge und bekam das Geld in der Regel auch. Selbstredend wurden jene Hardware- und Software-Systeme beschafft, die dem persönlichen Gusto und Horizont der Antragsteller entsprachen - das Business und die Entscheider waren ja froh, verstand überhaupt noch jemand im Unternehmen, was abgeht. Ebenfalls selbstredend, das gerade zu Beginn der 2000er-Jahre viel, wirklich viel Geld für Spielereien und Selbstverwirklichungsträume von IT-Abteilungen oder IT-Chefs ausgegeben wurde. Der typische Ausspruch von IT-Managern "Wir müssen das Wünschbare vom Nötigen unterscheiden" entstand offenkundig erst im zweiten Jahrzehnt dieses Jahrtausends.

Das Verständnis, was IT erreichen soll (oder muss), hat sich fundamental verändert.

Und zwar deshalb, weil sich das Blatt gewendet hat: Die breite Masse der IT-Anwender, also das Business, wurde sozusagen "IT-Erwachsen". Der Umgang mit Computern und mobilen Geräten ist in allen Altersgruppen ab 10 Jahren eine Selbstverständlichkeit geworden. Das Verständnis, was IT im Unternehmen erreichen soll (oder muss), hat sich fundamental geändert. Erfolgreiche Unternehmen von heute überlegen sich nicht mehr, wie viel die IT pro Kopf kostet, sondern wie viel Umsatz/Gewinn eine IT-Investition bringt, z.B. in eine neue Softwarelösung. Die IT als Business-Enabler stellt sogar die Frage, welche neuen Geschäftsmodelle für das eigene Unternehmen denkbar geworden sind - dank der fortschreitenden Digitalisierung. Die Folgefrage lautet: Welche Softwarelösungen braucht es, um eine eben gefundene, neue Businesschance gewinnbringend realisieren zu können? Und wer kann die Software dazu entwickeln?

Unternehmen müssen agiler werden, also rascher auf neue Marktgegebenheiten reagieren können. Das Business hat das längst erkannt. Einige IT-Abteilungen hinken dieser lebenswichtigen Erkenntnis da und dort aber noch etwas hinterher: Eher starre und relativ teure, traditionelle Lösungsarchitekturen bremsen die verkürzten Wandlungszyklen geforderter Businesslösungen aus. Aus Un- oder Halbwissen über (Private-)Cloud-Architekturen wird diese generell abgelehnt. Meistens wird das Schlagwort "Security" ins Feld geführt, zu dem sowieso nur Experten eine fundierte Aussage machen können. Das kostet viel Geld und bleibt nicht ohne Folgen: Das Business übernimmt (wieder) zunehmend das Zepter, was IT-Systeme angeht. Denn es ist das Business und nicht die IT-Abteilung, die für Umsatz- und Gewinnziele den Kopf herhalten muss. Verständlich also, dass in immer mehr Unternehmen das Business der IT wieder vorzugeben beginnt, welche Businesslösungen es will und wie es arbeiten möchte (Arbeitsmodelle, Mobilität usw.). Wohlverstanden: Nicht als Äusserung von Wünschen, sondern als Realisierungsvorgaben. Das ist gut so. Letztlich sind es auch die Kunden der Unternehmen, die diesen raschen Wandel vorantreiben.

IT-Abteilungen tun gut daran, sich in Zukunft wärmer anzuziehen.

IT-Abteilungen tun gut daran, sich künftig wärmer anzuziehen. Will heissen, sie müssen den Umbau zu einer agilen IT-Lösungsarchitektur nun rasch vorantreiben, wenn sie nicht zum "Buhmann" von verpassten Businesschancen werden wollen. Der erste Schritt: Sich rechtzeitig einen Softwarelösungsparter suchen, der agile Arbeitsformen verstanden hat und entsprechende Beratung, Lösungen und Unterstützung anbieten kann. Denn die Zeit des "wir können alles selbst am besten" ist definitiv vorbei.

Ich hoffe, diese Gedanken haben Sie Ihrerseits zu Gedanken angeregt. Über Rückmeldungen und Anregungen freuen wir uns jederzeit: www.itsystems.ch Oder kontaktieren Sie mich über mein LinkedIn-Profil. Ich freue mich.